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Ihr seid doch Detektive, sagte das kleine rothaarige Mädchen voll Eifer. Ihr könnt Annabella finden! Ich möchte euch den Fall übertragen! Sie streckte ihre Patschhand aus – mit fünfzig Cent.
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Peter Shaw lachte. Puppen suchen wir nicht, Tina.
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Unsere Fälle sind um einiges bedeutsamer, Christina, setzte Justus Jonas hinzu.
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Und überhaupt – Bob Andrews grinste Peters sechsjährige Nachbarin an – möchte ich wetten, daß du deine Puppe in eurem Haus verloren hast und sonst nirgends.
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Klar. Peter lachte. Geh nur heim und such dort nochmal, Tina. Wir müssen den Filmprojektor meines Vaters zur Reparatur bringen.
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Die drei Jungen, die man in ganz Rocky Beach als das jugendliche Detektiv- Trio die drei ??? kannte, hatten den ersten Vormittag der Osterferien mit dem Aufräumen der Garage bei den Shaws zugebracht. Jetzt waren sie gerade damit fertig und wollten Mr. Shaws Filmprojektor zur Reparatur bringen, und da war Christina Dalton durch die hohe Hecke am Nachbargrundstück geschlüpft und hatte sie um Hilfe gebeten.
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Es tut uns leid, daß du deine Puppe verloren hast, fuhr Peter fort, aber mein Vater braucht den Projektor so schnell wie möglich wieder. Wir müssen gehen, Tina.
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Ich hab’ Annabella aber nicht verloren! Das war ganz anders, jammerte Tina. Sie ist weggeflogen. Sie war in ihrem Bett im Garten, und da ist sie fortgeflogen!
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Justus blinzelte verdutzt. Fortgeflogen?
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Aber Tina, fiel Peter ein, nun erzähl keine Märchen. Du willst doch nicht, daß wir mit meinem Papa Ärger kriegen.
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Nein, sagte das kleine Mädchen zögernd, und dann begann sie zu schluchzen. Nie wieder bekomm’ ich Annabella!
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Hör mal, Tina, nun wein doch nicht, sagte Bob. Du findest deine –
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Justus hatte die Brauen zusammengezogen. Wie meinst du das, Annabella sei fortgeflogen?
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Ist sie doch auch! sagte Christina und wischte sich die Tränen ab. Ich hab’ sie gestern abend in ihrem Bett im Garten gelassen, und wie ich dann schlafen gegangen bin, habe ich zum Fenster rausgeschaut, und da ist sie einfach in einen Baum raufgeflogen! Mein Papa hat heute früh da oben nach ihr gesucht, aber sie
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ist weg! Sie kommt nie wieder heim! Na ja, sagte Justus, vielleicht könnten wir uns das mal näher betrachten.
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Peter stöhnte. Wir müssen den Projektor wegbringen, Just.
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Komm schon.
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Puppen fliegen doch nicht einfach los, Just, wandte Bob ein.
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Nein, eben nicht, gab ihm Justus recht. Der untersetzte Erste Detektiv sah
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nachdenklich aus. Und genau deshalb schauen wir uns diesen Baum mal an. Das dauert nicht lang. Christina trocknete ihre Tränen und lächelte hoffnungsvoll. Ich zeig’
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ihn euch.
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Die Jungen folgten ihr durch die Hecke in den Garten nebenan.
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Der Baum war schon alt und stand an der Straßenfront vor dem Zaun, der das
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Grundstück zur Straße hin abgrenzte. Starke Äste hingen tief über den Garten hin. Christina zeigte auf den Erdboden unter einem langen Ast.
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Genau hier hat Annabella geschlafen!
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Die Jungen suchten im dichten Laub und zwischen den schwer herabhängenden grünen Avocado-Früchten des alten Baumes.
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Dann scharrten sie mit den Füßen die dicke Laubschicht auf dem Boden beiseite.
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Im Baum ist keine Puppe, stellte Peter fest.
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Und auf dem Boden auch nicht, meldete Bob.
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Justus ging um den Zaun herum zur Straße vor. Nun konnte er sehen, daß der
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Avocado-Baum in einer schmalen Blumenrabatte vor dem Zaun stand. Er trat näher heran und untersuchte den weichen Boden des Beets.
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Freunde! rief der Erste Detektiv laut.
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Bob und Peter wanden sich zwischen den Ästen zum Zaun vor und sahen herüber. Justus zeigte auf den Boden. Dort, unten beim Baumstamm, waren im Blumenbeet vier deutliche Fußabdrücke. Sie sahen aus wie von Turnschuhen, klein und schmal.
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Ich stelle fest, bemerkte Justus gelassen, daß jemand vor kurzem diesen Baum erstiegen hat. Klein war er, und in Turnschuhen.
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Hört sich nach einem Kind an, sagte Peter. Hier steigen doch immer wieder Kinder auf die Bäume, Just.
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Das stimmt, bestätigte Justus. Aber es ist auch möglich, daß jemand auf den Baum stieg, auf einem der unteren Äste in den Garten hinüberkroch und herunterlangte, um die Puppe vom Boden aufzuheben!
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Mann! sagte Bob. Im Dunkeln würde das tatsächlich so aussehen, als sei die Puppe in den Baum hochgeflogen!
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Aber hört mal, meinte Peter verwundert, weshalb sollte jemand einem Kind
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die Puppe klauen?
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Justus zuckte die Achseln und kam um den Zaun herum. In diesem Augenblick
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trat eine rothaarige Frau aus dem Haus der Daltons. Sie sah aus wie Christina, nur war sie größer.
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Tina? Peter! Was macht ihr denn da?
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Wir suchen Annabella, Mama, rief Tina. Sie sind Detektive.
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Mrs. Dalton lächelte und kam her. Ja, natürlich. Das hatte ich vergessen.
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Dann schüttelte sie den Kopf. Aber Annabella ist wohl leider weg, Jungs. Sind Sie sicher, daß die Puppe gestohlen wurde, Mrs. Dalton? fragte Bob. Erst war ich’s nicht, sagte Mrs. Dalton, aber Tinas Vater hat im Haus und
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im Garten alles abgesucht, und dann meldeten wir es der Polizei.
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Und was sagten die dazu? wollte Justus wissen.
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Die waren schon ganz erbost. Es sieht nämlich so aus, als hätte es letzte Nacht
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in unserer Nachbarschaft eine ganze Serie Diebstähle gegeben!
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Wurden noch andere Puppen gestohlen? fragte Justus.
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Nein, sonst keine Puppen, aber eine Bohrmaschine, ein paar Werkzeuge, ein
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Mikroskop und noch ein paar Sachen, die ich nicht mehr weiß. Alles keine ausgesprochenen Wertsachen.
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Kommissar Reynolds hält es für einen bösen Lausbuben-streich.
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Manche dummen Jungen glauben, Stehlen sei eine ganz besondere Mutprobe, meinte Peter.
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Bis man sie erwischt! sagte Bob.
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Justus war sichtlich enttäuscht. Ja, es hört sich ganz danach an, daß hier junge Kerle nur so zum Vergnügen geklaut haben.
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Tina begann plötzlich wieder zu weinen. Ich will Annabella wiederhaben! Hört mal, sagte Peter mit einem Blick auf seine Freunde,
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wir könnten doch versuchen, sie zu finden. Wir kennen die meisten von den
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älteren Jungen hier in der Gegend.
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Das wäre nett von euch, sagte Mrs. Dalton. Die Polizei ist ja voll
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beschäftigt und kann sich kaum noch um kleine Diebereien kümmern.
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Aber ich muß einen richtigen Vertrag mit ihnen machen, Mama. Wie im
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Fernsehen, rief Tina und hielt ihre fünfzig Cent hoch. Hier!
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Justus nahm das Geld ganz ernsthaft entgegen. So, nun bist du unsere Auftraggeberin, Tina. Du bleibst jetzt zu Hause und wartest unsere Meldungen
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ab. In Ordnung?
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Das kleine Mädchen nickte glückselig, und die Jungen gingen wieder in Peters
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Garten hinüber. Sie besprachen, wo sie mit der Suche beginnen würden, und als sie an der Garageneinfahrt angekommen waren, hatten sie beschlossen, sich zunächst einmal unter ihren Schulkameraden umzuhören, ob irgendwelche
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Burschen sich auffällig benommen hatten. Plötzlich hörten sie Peters Mutter hinter dem Haus laut schreien:
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Raus aus meinem Garten! He, Sie! Was treiben Sie hier?
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Los, kommt! rief Peter.
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Die drei ??? sausten ums Haus herum und sahen gerade noch eine seltsame
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Gestalt mit großen schwarzen Flügeln über den Zaun hinten fliegen und verschwinden! Sie erstarrten im Lauf.
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Peters Mutter stand vor ihrem Garten.
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Seht euch bloß meine Primeln an! rief sie empört. Alles hat er zertrampelt! Aber die Jungen schauten nicht auf die zertretenen Blumen. Sie starrten noch
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immer zum Zaun hinüber, wo die Gestalt verschwunden war – eine Gestalt, deren Flügel ein schwarzer Umhang gewesen waren und deren hageres Gesicht beim Zurückschauen einen dichten Schnauzbart gezeigt hatte!
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Na, sagte Peter, das jedenfalls war nicht irgendein Lausebengel!
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Justus drehte sich um und rannte zur Garage zurück. Die beiden anderen Jungen liefen hinter ihm her. Justus zeigte auf die Stelle, wo Mr. Shaws Filmprojektor in seinem Tragekoffer gestanden hatte. Der Projektor! sagte Justus. Er ist weg!
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Ein Rätsel ist gelöst
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Also, sagte Justus, kein Mensch kann sich vorstellen, warum ein Dieb es auf den Projektor von Peters Vater, auf Tinas Puppe und auf all die anderen gestohlenen Sachen abgesehen haben sollte. Der Erste Detektiv machte eine bedeutungsvolle Pause. Dann will er das alles womöglich gar nicht haben!
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Peter und Bob starrten ihren Kollegen mit offenem Mund an.
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Wieso hat er das Zeug – fing Peter an.
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– dann überhaupt geklaut? schloß Bob.
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Stunden waren vergangen, seit der kleine Mann im Umhang mit Mr. Shaws
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Filmprojektor geflüchtet war. Die drei ???
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hatten sich nach dem Abendessen in ihrer geheimen Zentrale, einem unter
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Stapeln von Gerümpel in einer Ecke des Schrottplatzes verborgenen Camping- Anhänger, getroffen. Der Wagen war mit Möbeln, Akten und selbstgebastelter Detektivaus-rüstung vollgestopft und eine sehr nützliche Aktionsbasis und außerdem strikt privat. Justs Onkel Titus und Tante Mathilda, denen der Schrottplatz gehörte, hatten längst vergessen, daß der Anhänger überhaupt noch da war. Es gab mehrere dorthin führende Geheimzugänge, und durch ein Periskop konnten die Jungen ins Freie hinaussehen. Jetzt waren die drei in ihrer Zentrale versammelt, um sich über die Serie kleiner Diebereien in Peters Nachbarschaft Gedanken zu machen. Vorerst stand nur eines fest: die Diebstähle waren nicht von Kindern verübt worden. Nachdem der Mann im Umhang an diesem Morgen verschwunden war, hatten die drei ??? in Mrs. Shaws Garten seine Fußabdrücke gefunden. Und diese Fußabdrücke waren genau die gleichen wie die unter Tina Daltons Avocado-Baum!
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Aber warum hatte der Mann einmal eine Puppe und dann einen Filmprojektor gestohlen?
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Vielleicht, meinte Peter, ist der Mann ein . . . ein . . . ach, ihr wißt doch – so einer, der stiehlt, weil es ihn dazu treibt.
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Ein Kleptomane, sagte Bob.
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Könnte sein, gab Justus zu, aber ich glaube es nicht. Ein Kleptomane treibt sich gewöhnlich zum Stehlen nicht in Wohngegenden herum. Er klaut in Kaufhäusern und an anderen öffentlichen Plätzen.
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Er ist kein Kleptomane, und das Zeug, das er stiehlt, braucht er nicht, sagte Bob. Also was hat er dann im Sinn?
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Ich glaube, meinte Justus, er sucht irgend etwas.
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Bob und Peter starrten den Ersten Detektiv an. Auf ihren Gesichtern malten
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sich Verwirrung und Zweifel. Dann hatte Bob einen Einwand.
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Aber Just, sagte der Archivar des Teams bedächtig, wenn er hinter was Bestimmtem her ist, warum stiehlt er all die anderen Sachen zusammen? Ich meine, er muß doch wissen, was er will, und wenn es nicht bei dem Zeug ist, das
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er mitgenommen hat, warum hat er es dann überhaupt mitlaufen lassen? Vielleicht hat er schlechte Augen, brachte Peter vor.
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Bob stöhnte laut. Peter, der Zweite Detektiv, trug zur Teamar-beit eher
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Muskelkraft als geistige Fähigkeiten bei. Da müßte er schon blind sein, um eine Puppe und einen Filmprojektor mit was anderem zu verwechseln! stellte Bob fest.
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Na schön, meinte Peter, dann sind es eben nicht die Sachen selber, sondern etwas, das drinsteckt! Er weiß, daß es irgendwo versteckt ist, aber nicht genau wo!
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Wie bei unserem Fall mit der schwarzen Katze. Justus nickte.
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Aber das löst das Rätsel noch nicht – angenommen, der Dieb ist bei klarem Verstand, dann müssen sich all die Sachen, die er gestohlen hat, in irgendeiner Beziehung gleichen. Sie müssen alle ein bestimmtes gemeinsames Merkmal haben! Ein Filmprojektor und eine Puppe? fragte Bob ungläubig.
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Irgendwas muß es geben, sagte Justus beharrlich. Irgend etwas Grundlegendes, das auf all das Diebesgut zutrifft. Nur das müssen wir herausfinden.
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Weiter nichts, Just? meinte Peter. Tinas Puppe, der Projektor meines Vaters und all das Zeug auf der Liste, die du nach deinem Anruf von der Polizei bekommen hast? Er holte sich die Liste von Justs Schreibtisch. Eine elektrische Schlagbohrmaschine, ein Mikroskop, ein Barometer, eine Garnitur Holzschnittwerkzeuge und ein Steinschleifapparat.
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Alles in unmittelbarer Nachbarschaft von uns geklaut.
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Als Peter die Liste heruntergelesen hatte, sahen die drei Jungdetektive einander hoffnungsvoll an. Eine Zeitlang sprach keiner ein Wort.
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Peter vermutete vorhin, das von dem Dieb so hartnäckig begehrte Objekt könne in einem der gestohlenen Gegenstände stecken, also gewis-sermaßen darin verpackt sein. Doch ich meine, es gibt noch eine andere Art der Verpackung, worauf der suchende Dieb erpicht sein könnte. Was nun worin stecken mag – denkt mal anders herum, denkt
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mal scharf nach!
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Na, meinte Peter schließlich, elektrische Geräte sind das nicht durchweg.
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Und es sind auch nicht alles Werkzeuge, sagte Bob.
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Ebensowenig nur Spielsachen, setzte Justus hinzu. Oder Eigentum von Kindern. Er überlegte. Vielleicht wurde alles im gleichen Laden gekauft?
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Bob schüttelte den Kopf. Doch nicht ein Barometer und eine Puppe.
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Überhaupt kaufte Papa seinen Projektor vor Jahren in New York. Peter seufzte. Also, Justus, mir fällt dazu rein gar nichts ein.
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Es muß aber bei allem irgendeine Gemeinsamkeit geben, meinte Justus unbeirrt. Etwas Einfaches. Denkt nach, Leute!
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Es ist alles aus festem Stoff, gab Peter zu bedenken. Keine Flüssigkeiten. Das nützt uns wahrhaftig viel! stellte Bob fest.
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Nein, Bob, wir müssen alles in Betracht ziehen, sagte Justus.
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Also schön, es sind alles Sachen aus festem Material. Ist alles aus Metall?
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Nein. Alles von gleicher Farbe?’ Nein.
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Alles –
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Alles ist handlich genug, daß man es tragen kann, unterbrach ihn Bob.
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Justus sprang auf die Füße, und seine Augen funkelten. Tragen? Das könnte es
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sein! Los, kommt, wir müssen mit Tina Dalton reden.
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Schon hob Justus die Luke im Fußboden der Zentrale an.
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Seine Detektivkollegen vermieden es wohlweislich, ihn zu fragen, was er
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vorhatte. Justus hielt sich niemals mit Erklärungen auf, wenn er auf einer heißen Spur war. Peter und Bob folgten ihm durch die Luke in Tunnel II, eine weite, lange Röhre, die unter dem Anhänger und unter hohen Stapeln von Schrott und Trödel hindurch bis zu Justs Freiluftwerkstatt führte. Dort schnappten sich die Jungen ihre Fahrräder und fuhren in der Dämmerung zu Peters Straße. Justus fuhr vorneweg. Er radelte zielbewußt an Peters Haus vorbei und die Zufahrt zu den Daltons nebenan entlang. Auf sein Klingeln kam Mrs. Dalton zur Tür, und Christina tauchte im Schlafanzug neben ihr auf. Habt ihr Annabella gefunden? rief das kleine Mädchen. Nein, noch nicht. Justus schüttelte den Kopf. Tina, du sagtest doch, Annabella sei in ihrem Bett gewesen, als sie in den Avocado- Baum hinaufflog. Was war das denn für ein Bett?
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Ihr Bett eben, sagte Tina. Sie schläft immer –
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Ja, schon, unterbrach Justus ungeduldig, aber wie sah das Bett aus? Eigentlich war das gar kein richtiges Bett, oder?
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Mrs. Dalton sagte: Nein, das war’s nicht, Justus. Mein Mann hatte es für Tina aus einem alten Aktenkoffer gemacht.
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Einem schwarzen Koffer? fragte Justus. Etwa fünfundzwanzig oder dreißig Zentimeter hoch? Wie ein richtiger kleiner Reisekoffer, mit einem Handgriff oben dran?
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Wie der Tragekoffer von Papas Projektor! rief Peter.
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Ja, genau, sagte Mrs. Dalton. So ein Ding.
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Besten Dank. Justs Augen funkelten. Wir kommen später wieder, Tina. Die drei ??? radelten zu Peter zurück und gingen in seine Garage. Es war
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gerade noch hell genug, daß sie etwas sehen konnten.
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Also Koffer! rief Bob triumphierend. All das gestohlene Zeug muß in
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schwarzen Tragekoffern sein, genau wie Mr. Shaws Projektor!
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Ja, Kollege, sagte Justus selbstzufrieden. Das ist das einzige Merkmal, das Tinas Puppe mit dem anderen Diebesgut gemeinsam haben könnte. Unser Dieb
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hat es offenbar auf etwas in einem schwarzen Koffer abgesehen! Tja, meinte Peter, aber was nur, Just?
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Na, wenigstens nicht gerade – fing Justus an.
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Da hörten sie hinter der Garage ein Geräusch!
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Ein scharfer Aufschlag, wie wenn etwas auf Holz prallt, ein gedämpfter Laut wie ein zorniges Knurren und dann eine Bewegung! Die Jungen liefen zu ein einzigen Fenster an er Rückwand. Im Dämmerlicht draußen verschwand eine Gestalt in den dichten Gartensträuchern hinter Peters Haus.
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Der Dieb! rief Peter.
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Sie liefen vorn zur Garage hinaus und schlichen in der zunehmenden Dunkelheit vorsichtig nach hinten. Aber nun bewegte sich da nichts mehr, und es war auch kein Laut mehr zu hören. Peter bückte sich unter dem hinteren Garagenfenster.
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Er hob einen kleinen Gegenstand auf und starrte ihn an.
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Das ist . . . das ist eine Tierpfote! stammelte er.
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Justus nahm die Pfote in die Hand. Von einem Wolf, würde ich sagen – und
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schon sehr alt. Möglicherweise ist es eine Art Talisman. Vielleicht ein Glücksbringer.
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Es lag genau da unter dem Garagenfenster, sagte Peter.
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Also hat uns jemand beobachtet, Freunde! Belauscht! Er hat uns gehört! Der Dieb mit dem Umhang, möchte ich wetten, entschied Bob.
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Justus schüttelte den Kopf. Nein, Bob, dieser Mann war zu groß. Vielleicht
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sind mehrere Leute auf der Suche nach einem schwarzen Koffer – und seinem Inhalt.
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Und jetzt weiß einer von ihnen, daß wir wissen, was er sucht, stellte Peter ingrimmig fest.
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Ja, bestätigte Justus. Seine Augen blitzten in der Dämmerung. Er weiß es, und so kriegen wir ihn zu fassen! Wir lassen ihn zu uns kommen!
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Wie wollen wir ihn dazu – fing Peter zweifelnd an.
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Vermutlich beobachtet er die Straße hier, und auch uns, Peter, erklärte Justus. Also machen wir uns auf den Weg, als ob wir den schwarzen Koffer
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suchten – und wir werden ihn auch finden! Wir markieren Aufregung, als seien wir sicher, daß wir den richtigen Koffer gefunden haben, und –
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Eine Falle! riefen Bob und Peter gleichzeitig.
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Justus grinste im schwachen Zwielicht. Ja, eine kleine Falle für unseren Dieb – oder unsere Diebe!
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Die Falle schnappt zu
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Dünner Nebel wallte an diesem Abend vom Hafen und dem dunklen Pazifik heran. Die Straße in Rocky Beach lag still da.
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Das Licht zweier einsamer Laternen wirkte im Nebel gespenstisch.
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Irgendwo bellte ein Hund.
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Eine Katze huschte flink über die verlassene Straße. Dann bewegte sich eine
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Zeitlang nichts mehr in der Dunkelheit. Jetzt aber tauchte Peter im offenen Tor der beleuchteten Garage der Shaws auf. Der hochgewachsene Zweite Detektiv schritt auf und ab und behielt die schwach erhellte Straße im Auge, als warte er auf etwas. Von Zeit zu Zeit blickte er hinter sich auf mehrere schwarze Köfferchen. Die Jungen hatten sie vorher hier zusammengestellt, und sie waren für jeden Beobachter deutlich sichtbar.
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Plötzlich kamen Justus und Bob aus einer Hofeinfahrt in der Nähe gelaufen. Sie trugen noch einen schwarzen Koffer und waren sichtlich in heller Aufregung, als sie die neblige Straße entlang zu Peters Haus eilten.
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Was ist los, Freunde? rief Peter.
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Bob und Justus rannten auf den Hof der Shaws zu.
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Just meint, wir haben’s gefunden! rief Bob.
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Wart nur ab, bis du es siehst! sagte Justus eifrig, während er keuchend
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angehetzt kam.
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Hinter dem offenen Garagentor drängten sich die drei Jungen begierig um das
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schwarze Köfferchen, das Justus abgestellt hatte. Der Erste Detektiv öffnete den Koffer und schaute erregt zu Peter hoch. Der starrte in den offenen Koffer.
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Mann! sagte der große Junge laut. Das ist aber nicht das Richtige!
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Justus erhob die Stimme. Nein, bestimmt ist es das, wonach der Dieb die ganze Zeit gesucht hat.
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Glaube ich auch, bestätigte Bob. Was machen wir damit, Just?
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Tja . . . Justus schien zu überlegen. Es ist jetzt reichlich spät geworden. Ich hätte schon vor einer Stunde zu Hause sein sollen. Wir schließen es am besten in der Garage hier ein und bringen es morgen früh zur Polizei.
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Ja, es ist wirklich spät, meinte auch Peter.
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Ich muß auch nach Hause, sagte Bob. Wir können es morgen in aller Frühe auf die Wache bringen.
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Sie stellten den schwarzen Koffer auf die Werkbank in einer Ecke, schalteten das Licht aus und gingen hinaus, und dann sicherten sie das Garagentor mit einem Vorhängeschloß. Bob und Justus bestiegen ihre Fahrräder, winkten Peter
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noch einmal zu und fuhren die Straße entlang um die nächste Ecke. Peter ging allein ins Haus.
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Und wieder war es still auf der dunklen, nebligen Straße. Doch hinter der Straßenecke, unsichtbar für einen, der Haus und Garage der Shaws beobachten mochte, stellten Bob und Justus flink ihre Fahrräder im Schatten eines dichten Eukalyptusgehölzes ab. Lautlos schlichen sich die Jungen über die dunklen Hinterhöfe und Gärten an Peters Straße. Sie kamen zum Garten der Daltons, den Nachbarn der Shaws, schlüpften quer durch und legten sich im Schatten der hohen Hecke nieder, die den Garten von Shaws Garagenzufahrt trennte. Das jetzt ganz im Dunkeln liegende Garagentor schloß sich gleich an die Hecke an.
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Vorsichtig robbten die beiden Detektive unter die Hecke. Sie blieben so liegen, daß sie aus diesem Versteck im Nu auf die Garageneinfahrt losspringen konnten. Hinter Peters Schlafzimmerfenster, das übers Eck zur Garage liegt, knöpfte Peter deutlich sichtbar seinen Schlafanzug zu. Für einen Augenblick stellte sich der Zweite Detektiv ans Fenster und gähnte ein paarmal. Dann ging in seinem Zimmer das Licht aus.
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In der nebligen Dunkelheit rührte sich nichts.
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Eine halbe Stunde verging. Unter der Hecke spürte Justus, wie sein linkes Bein allmählich einschlief, und Bob kämpfte dagegen an, daß ihm im kalten Nebel die Zähne klapperten.
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Eine Katze streunte im Hof der Daltons zwischen den Mülltonnen umher, so daß es schepperte. Zwei Männer kamen laut redend die Straße entlang, blieben aber nicht stehen. Ihre Stimmen verhallten jenseits der, nächsten Querstraße.
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Schon kam Justus der Gedanke, sein Plan werde gar nicht funktionieren. Von einem Dieb war weit und breit nichts zu sehen. Und Peters Eltern, die an diesem Abend ausgegangen waren, könnten zu früh zurückkommen und die Falle platzen lassen.
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Bob zitterte unablässig im kalten Nebel. Justus fielen die Augen zu. Und da passierte es!
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Just! flüsterte Bob.
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Vorn an der von eitler Straßenlaterne schwach erleuchteten Einfahrt war ein Mann aufgetaucht. Es war der schnauzbärtige Dieb mit dem Umhang!
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Ich seh’ ihn, flüsterte Justus zurück.
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Der kleine Mann blickte sich im Finstern nervös um, und dann kam er heran, auf die Garage zu. Justus sagte leise: Nicht vergessen – erst lassen wir ihn einbrechen, und dann schlagen wir von außen die Tür zu! Du bewachst dann das Fenster hinten, ich die Tür, und Peter ruft die Polizei!
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Bob nickte rasch. Die beiden Jungen beobachteten gespannt, wie der kleine Dieb irgendein Werkzeug aus einer Tasche in seinem weiten Umhang zog und
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das Vorhängeschloß am Garagentor knackte. Er verschwand in der Garage. Justus richtete sich hastig auf.
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Jetzt, Bob! Los!
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Sie krochen aus der Hecke hervor, sprangen auf – und ein greller Lichtstrahl blendete sie!
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Was –! schrie Bob.
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Halb blind deckten sie ihre Augen vor dem gleißenden Licht.
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Es kam von der an die Hecke grenzenden Garagenseite.
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Dann war das Licht wieder weg, und ein unheimlicher Laut füllte die Finsternis
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– ein lautes, furchterregendes Geräusch wie das gereizte Fauchen eines wilden Tieres!
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Der Laut schien von derselben Stelle zu kommen wie vorher der blendende Lichtschein. Als die erschrockenen Jungen zur Hecke an der Garage spähten, tauchte jählings ein von geisterhaftem Glimmen umwabertes Gesicht auf.
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Ein Gesicht – aber nicht das eines Menschen! Eine Tierfratze, breit und zottig- schwarz behaart, mit rotglühenden Schlitzaugen und weit aufgerissenem riesigem Maul, das vor spitzen Zähnen starrte! Lange Hörner ragten aus dem massigen Kopf, und ein langer Haarschweif wuchs mitten dazwischen heraus!
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Ein bestialisches Gesicht, dessen fürchterliches Gebiß im Lichtkreis blitzte!
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Ju . . . Ju . . . Just! stammelte Bob.
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Wie gelähmt starrten die beiden Jungen die dämonische Fratze an – und dann
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war plötzlich der Lichtschein weg, und das Gesicht auch!
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Bebend standen die Jungen da, zu keiner Bewegung fähig.
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Just! Bob!
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Peter rief vom Haus her. Der Zweite Detektiv stand an seinem
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Schlafzimmerfenster und zeigte in höchster Aufregung zur Einfahrt herunter. Er hat den Koffer geklaut! brüllte er. Er flüchtet!
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Der kleine Dieb hatte sich aus der Garage und an Justus und Bob vorbei
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verdrückt, während sie vor Furcht gelähmt dastanden. Jetzt bog er gerade aus der Einfahrt auf die Straße ein, von seinem Umhang umflattert. Er trug den schwarzen Koffer, den die Jungen als Köder in der Garagen-Falle aufgestellt hatten.
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Bob kam als erster wieder zu sich. Just, den schnappen wir!
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Er sauste die Einfahrt vor, Justus hinterher, und Peter kam dazu, als sie vom am Gehsteig waren. Der Zweite Detektiv zeigte die Straße entlang. Der Dieb mit dem Umhang lief auf einen roten Datsun los, der am Bordstein gegenüber parkte. Die drei Jungen rannten ihm nach – und da prallte Bob heftig mit einem Mann zusammen, der plötzlich mitten auf ihrem Weg aufgetaucht war.
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Was soll denn das? rief der Mann mit scharfer Stimme und hielt Bob fest.
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Müßt ihr Bengels unbedingt andere Leute umrennen?
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Es war ein schlanker grauhaariger Mann, und an der Weste seines tadellosen
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grauen Anzugs war mit einem schwarzen Bändchen ein randloser Kneifer befestigt. Sein linkes Auge zuckte nervös, als er die Jungen wie ein erboster Schulmeister anblinzelte.
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Der Kerl da ist ein Dieb! rief Bob und zeigte auf den Mann im Umhang, der gerade in den roten Datsun stieg.
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Und er setzt sich ab! stöhnte Peter.
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Weiter vorn an der Straße startete der Datsun und brauste los.
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Die Jungen und der hagere Fremde schauten ihm nach, bis er verschwunden
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war.
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Ein Dieb – das ist ja schlimm, junger Mann, sagte der Fremde ernst. Was
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hat er denn gestohlen?
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Einen schwarzen Koffer! sagte Bob hitzig. Und wenn Sie uns nicht
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aufgehalten hätten, dann –
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Und was war in dem Koffer? fragte der Mann.
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In – in –? stotterte Peter.
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Justus sagte rasch: Das wissen wir nicht, Sir.
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Aha. Der Mann warf ihm einen scharfen Blick zu. Ein Bubenstreich, was?
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Hört mal, ich schlage vor, ihr Burschen geht nach Hause und laßt solche Dummheiten künftig sein! Er drehte sich um und ging mit steifem Schritt davon. Justus starrte ihm nachdenklich nach, bis er um die Ecke bog und verschwand.
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Wohnt dieser Mann hier in eurer Nähe, Peter? fragte er.
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Den hab’ ich noch nie gesehen, sagte Peter. Verflixt! Du meinst, er hat uns aufgehalten, damit der Dieb flüchten konnte?
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Justus nickte bedächtig. Das halte ich für möglich, Kollege.
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Just? meinte Bob. Und was ist mit diesem . . . Gesicht, das wir da gesehen haben? Auch das hat den Dieb begünstigt.
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Was war das nun?
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Justus schüttelte den Kopf. Ich weiß es nicht, Bob.
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Was denn für ein Gesicht? fragte Peter.
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Bob beschrieb die schaurige Fratze, die er und Justus gesehen hatten. Peter
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hatte sie vom Haus aus nicht sehen können, da die Garage im Weg stand.
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O je. Peter schluckte. Vielleicht war es bloß der Nebel.
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Egal, was es war, sagte Bob ingrimmig. Der Dieb ist jedenfalls weg! Vielleicht auch nicht, entgegnete Justus und grinste seine beiden
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Detektivkollegen an. Für den Fall, daß was schiefge-hen sollte, habe ich vorsichtshalber eines unserer Peilgeräte in den schwarzen Koffer gesteckt! Wenn
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wir ein bißchen Glück haben, Kollegen, dann führt uns das direkt zu unserem Dieb.
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Falls er nicht schon über alle Berge ist, stöhnte Peter.
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Glaube ich nicht, sagte Justus. Er war die letzten zwei Tage immer in der Nähe, also hält er sich vermutlich irgendwo hier auf. Suchen wir eben.
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Justus zog eines der Peilgeräte hervor, die er für die drei ???
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gebastelt hatte, und schaltete es auf Empfang. Erst war nichts zu hören. Dann kam es herein – ein stetiges, langsames Piep . . . Piep . . . Piep . . .
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Na also! Justus strahlte. Vielleicht zwei Meilen von hier! Sie liefen los, zu ihren Fahrrädern.
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Der Dämon greift an!
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Das gleichmäßige Piep . . . Piep . . . Piep . . . geleitete die Jungen durch die Dunkelheit zum Ufer des Pazifik. Sie radelten langsam im leichten Nebel dahin, horchten auf das Signal und beobachteten den Pfeil an Justs Empfängerskala.
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Jetzt kommen wir näher ran, sagte Justus. Scheint so, als sei er in der Nähe des Hafens, aber ein Stück weit die Küste runter.
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Als Empfänger hatte Justus’ Peilgerät eine Doppelfunktion: Das Piepsen wurde lauter und rascher, je mehr der Empfänger sich dem Sender näherte, und ein Pfeil zeigte an, ob das Signal von rechts, von links oder von vorn hereinkam. Es gab auch ein eingebautes Notsignal – eine rote Glühlampe, die an einem Gerät aufblinkte, wenn jemand das Wort Hilfe in das andere Gerät sprach – aber das stand jetzt für die Jungen nicht zur Debatte.
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Das Gepiepse wird ein wenig lauter, stellte Peter fest, als sie das Ufer erreichten.
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Und der Pfeil zeigt nach links, setzte Bob mit einem Blick auf die Skala in Justs Fahrradkorb hinzu.
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Also war es nicht am Hafen. Die Jungen bogen in die Uferstraße ein, die an diesem nebligen Abend fast verlassen dalag. Der Verkehr war spärlich, und die Spaziergänger und die jungen Leute, die sonst zum Vergnügen unterwegs waren, hielten sich bei dem kalten Nebelwetter nicht im Freien auf.
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Die Jungen fuhren schweigend weiter – nur das Piepsen, das immer lauter und schneller wurde, war zu hören.
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Sie fuhren an einer Reihe Motels entlang, als das Piepsen plötzlich wieder langsamer und leiser wurde!
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Jetzt sind wir vorbei! rief Bob.
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In so einem Motel muß er sein, sagte Peter.
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Da bin ich sicher meinte auch Justus. Wir lassen die Räder am besten hier
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stehen und gehen zu Fuß hin. Jetzt aber gut achtgeben. Bekanntlich weiß er, wer wir sind.
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Die drei ??? versteckten ihre Fahrräder in einer Gruppe Ziersträucher, die zwischen zwei Motels angepflanzt waren, und machten auf der dunklen Straße wieder kehrt. Das Piepsen von Justs Peilsignal wurde wieder lauter und schneller, bis der Skalenpfeil quer zur Straße auf die Küste zeigte.
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Da drin muß er sein! sagte Justus.
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Er wies auf ein Motel, das sich im Nebel zwischen der Straße und dem Ufer verbarg. Eine Neonreklame in Rosa und Grün – die Worte Palm Court –
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blinkte immerzu, und farbige Scheinwerfer erhellten die Front des Gebäudes. Es war klein und eingeschossig und in drei Baukörper gegliedert, die sich in U- Form zur Straße hin öffneten. Vor den meisten Appartements parkten Autos. Von der Straße aus schauten sich die Jungen die Wagen auf dem Hof an. Schließlich schüttelte Peter den Kopf.
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Na so was, Just, sagte er. Den roten Datsun seh’ ich nicht!
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Tatsächlich war das rote Auto nicht hier.
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Glaubst du, er hat den Apparat entdeckt? fragte Bob. Und ihn einfach hier
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deponiert, um uns irrezuführen?
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Könnte schon sein, meinte Justus unbehaglich.
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Inzwischen weiß er bestimmt, daß wir ihn getäuscht haben, stellte Peter fest.
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Er hat ja nun Zeit genug gehabt, den Koffer aufzumachen – und darin ein Stück alles Eisenrohr zu finden!
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Ja, ich glaube auch, daß er die Falle durchschaut hat, gab ihm Justus bedrückt recht. Dann wurde seine Stimme wieder energisch. Aber wir wollen nicht aufgeben, ehe wir endgültig geschlagen sind! Wir machen uns jetzt gezielt auf die Suche nach unserem Peilgerät.
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Ohne die Zustimmung der beiden anderen abzuwarten, setzte sich der stämmige Erste Detektiv in der nebligen Dunkelheit in Trab. Den Blick auf seinen Empfänger geheftet, schritt er um die Hausecken herum, Bob und Peter im Gefolge. Das Motel grenzte hinten unmittelbar an den breiten Strand.
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Stumm arbeiteten sich die Jungen im Dunkeln vor, zwischen dem Motel und den Dünen und hohen Palmen, die von ziehenden Nebelschwaden umwölkt waren.
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Auf halbem Weg hinter dem Gebäudekomplex zeigte die Nadel auf der Skala unverkennbar auf eines der Appartements!
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Da ist es dunkel, Just! flüsterte Bob. Da ist niemand drin!
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Er ist weg! stöhnte Peter.
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Vielleicht mußte er weg und kommt wieder, und vielleicht hat er auch den
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Koffer noch gar nicht aufgemacht! rief Justus.
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Kommt mit!
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Geduckt und vorsichtig näherte sich der Erste Detektiv der Rückwand des
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dunklen Motel-Appartements. Peter und Bob folgten ihm, und unter ihren Tritten knirschte leise der grobe Kiessand. Die Nadel auf der Peilskala wies geradewegs auf das Appartement, und das Piepsen wurde immer schneller . . .
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Runter! befahl Peter. Er stieß Bob und Justus an, und alle drei warfen sich flach in den Sand.
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Die hintere Tür des unbeleuchteten Appartements öffnete sich!
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Eine schlanke Gestalt trat in die Nacht hinaus, stand einen Augenblick lang
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regungslos da und schaute sich im Nebel achtsam um. Das Gesicht war im Schatten des Gebäudes verborgen. Die Jungen hielten den Atem an, als sie da im Freien lagen, nur vom ziehenden Nebel verhüllt, und versuchten, sich tiefer in den Sand zu drücken.
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Der Mann ohne Gesicht schien zu erstarren und die Finsternis noch sorgfältiger zu durchforschen, als hätte er etwas gesehen oder gehört.
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Das Piepsen! dachte Justus beklommen. Seine Hand preßte das Gerät in den Sand, aber auch das dämpfte das Signal nicht ganz. Das schwache Piepsen verstummte. Langsam atmete Justus aus. Dicht vor dem Motel lauschte der schattenhafte Mann noch einmal kurz, schien nun aber nichts Verdächtiges mehr zu hören und ging weg, um die Hausecke herum. Als er abbog, schritt er durch den fahlen Lichtschein, der aus dem Eck-Appartement fiel.
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Just! flüsterte Bob.
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Es war der Mann im makellosen grauen Anzug, der sie auf der Straße vor Peters Haus an der Verfolgung des Diebs gehindert hatte!
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Der macht todsicher gemeinsame Sache mit dem Dieb! rief Peter gedämpft aus.
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Es scheint so, flüsterte Justus zurück.
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Noch ein paar Minuten lang blieben die Jungen längelang im Sand liegen. Der magere Mann kam jedoch nicht wieder, und so schlüpften sie ebenfalls um die Ecke. Da sie niemand erspähten, schlichen sie weiter vor, bis zu der Lücke zwischen dein rückwärtigen und dem seitlichen Trakt des Gebäudes. Auf dem Hof konnten sie den Mann sehen, wie er vor dem Büro des Motels in einen glänzenden schwarzen Mercedes stieg.
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Und dann fuhr der elegante Wagen weg.
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Die Jungen gingen zu dem dunklen Appartement zurück und spähten zwischen den nicht ganz zugezogenen Vorhängen des hinteren Fensters hinein. Der Raum war von den farbigen Scheinwerfern im Hof, deren Licht durch die Vorhänge am vorderen Fenster einfiel, schwach erleuchtet. Drinnen war offenbar niemand – aber auf dem Fußboden waren die Umrisse dunkler Gegenstände zu erkennen.
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Aha! sagte Justus leise. Er versuchte die Hintertür zu öffnen, was ihm auch gelang. Peter und Bob traten hinter ihm ein.
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Paß du da vorne auf, Peter, sagte Justus.
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Kleine schwarze Koffer standen im ganzen Raum verteilt auf dem Fußboden. Während Peter am Vorderfenster Posten bezog, untersuchten Bob und Justus die Koffer.
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Es ist alles da! sagte Bob. All die gestohlenen Sachen!
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Ja, bestätigte Justus, auch Tinas Puppe und unser Eisenrohr! Und wir haben immer noch keine Ahnung, was der Dieb eigentlich sucht. Bob, du gehst jetzt
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nach links, ich übernehme die rechte Hälfte, und wir suchen alles ab.
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Vielleicht finden wir einen Hinweis darauf, worum es dem Dieb tatsächlich
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geht!
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Aber das Motelzimmer war sehr spärlich möbliert, und es gab weder
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Reisegepäck noch Kleider oder sonst etwas, das die Absichten des Diebs hätte enthüllen können.
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Peter meldete sich vom Fenster vorn. Gerade kommt ein roter Wagen herein! Er lugte gespannt durch einen Spalt in den Vorhängen. Es ist der Datsun, und er kommt hierher! Dann wollen wir hinausgehen und sehen, was er macht! sagte Justus.
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Sie eilten zur Hintertür hinaus und duckten sich unmittelbar unter dem hinteren Fenster. Gleich darauf ging das Licht an, und die drei ??? sahen den Dieb zum ersten Mal deutlich. Er war wirklich klein, kaum größer als 1,55 m. Unter dem sehr weit geschnittenen Umhang trug er eine abgewetzte, mit Flicken besetzte Sportjacke und eine zerknitterte braune Hose.
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Sein Haar war grau und wirr, als kämmte er sich nie, sein Gesicht war schmal und hager, mit kleinen Zähnen und einer spitzen Nase, und seine Augen waren klein und wäßrig. Hinter seinem dichten Schnauzbart sah er aus wie eine dürre kleine Maus. |